Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Österreich: Bio kein Nischen-Hero

 

Günstig, günstiger, am günstigsten: Einkaufen beim Discounter macht vielen
Kunden gerade richtig Spaß. Denn bei Lidl und Aldi geht der Preiskampf in eine
neue erbitterte Runde, und das Karussell aus Aktionswochen und Aggressivität
dreht sich immer schneller. Spätestens seitdem Aldi auch Markenprodukte anbietet,
haben die Handelsketten viel zu verlieren: das Vertrauen der Kunden, bei ihnen den
besten Deal zu machen. Auch wenn Lidls Chef es weit von sich weist, jemals wie Amazon
werden zu wollen, schwingt vielleicht noch eine ganz andere Angst mit. Und die
treibt mitunter ungewöhnliche Blüten, führt auf einen neuen Bio-Weg.

Ein Blick auf den Handel in Österreich zeigt schnell: Bei unseren Nachbarn tickt
die Bio-Uhr anders. Sie haben bereits frühzeitig einen ganz anderen Weg eingeschlagen.
Verbands-Vielfalt gibt es keine – dafür mit Bio Austria einen einzigen
Anbauverband, der sich im LEH bescheiden im Hintergrund hält und Bio doch
aus der Nische geholt hat. Und irgendwie scheint jenseits der Alpen kein Ende des
Erfolgs absehbar zu sein: Pro Tag entstehen laut Bio Austria 63 Fußballfelder zusätzliche
Öko-Fläche. Ob dieser Bio-Weg nun eher ein Upgrade oder doch ein
Downgrade ist, lesen Sie ab Seite 16.

Bescheidenheit spielt bei dieser Kooperation gerade eher eine untergeordnete Rolle.
Bioland und Lidl sorgen mit ihrer ungewöhnlichen Partnerschaft weiter für Zündstoff.
Stellt sich die Frage: Lidln wir künftig nach besten Kräften für die Bio-Balance?
Wir sprachen mit Bioland-Präsident Jan Plagge über das komische Gefühl, das sich
zwangsläufig einstellt, wenn man sich auf einen Partner einlässt, mit dem man sich
bislang so gar nicht grün war. Wir fragten ihn aber auch nach den wahren Motiven
des Discounters. Ab Seite 22.

Erfolgreich gegen den Strom ist Michael Schneider aus Tübingen unterwegs. Wir
haben ihn in seinem Marktladen besucht und dabei festgestellt, dass es auch andere
Wege gibt, trotz zunehmender Konkurrenz am Markt zu bestehen. Und bei uns hat
sich eine Forderung des Ladners eingeprägt: Die Branche muss sich wieder mehr
politisieren. Ab Seite 30.

Ein Wochenende fiel für unsere Redaktion etwas aus dem Rahmen: Wir waren beim
Biolebensmittel Camp in Fulda und hatten uns eigentlich auf kontroverse Diskussionen
und Querdenken eingestellt. Stattdessen erlebten wir 80 Akteure, die nicht
nur alle gute Laune hatten, sondern sich auch unglaublich einig waren. Raum für
offene Worte blieb dennoch. Vor allem, als es um die derzeit sehr präsente Frage ging,
wie Premium-Produkte und Niedriglohn zusammenpassen. Und auch hier tauchte
das Thema Lidl wieder auf. Allerdings eher, weil es ausgerechnet der Discounter ist,
der in der Öffentlichkeit mit überdurchschnittlichen Löhnen punktet und aktuell noch
einmal nachgelegt hat. Wie war das noch gleich mit dem Glashaus? Ab Seite 36.

 

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

Lidln für die Bio-Balance?
Foto: BIOwelt / Heike van Braak 2019

Lidln für die Bio-Balance?

Bioland-Präsident Jan Plagge über die Umstellung auf Bio am Point of Sale, egoistische Motive und Klimawandel.
Zwischen BIO-Filialisten und LEH
Foto: Marktladen Tübingen 2019

Zwischen BIO-Filialisten und LEH

Die Branche muss sich wieder stärker politisieren – das fordert Michael Schneider aus Tübingen und geht schon mal mit gutem Beispiel voran.
Von wegen unverpackt
Foto: DUH 2019

Von wegen unverpackt

Von wegen unverpackt: Die Bio-Branche ist Teil des Plastikmüllproblems – das sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Er warf einen Blick in Bio-Supermärkte und wunderte sich über Produkte im Plastikmantel.