Naturkost Erfurt unter Schutzschirm
Foto: Pixabay/Ratfink1973 2022
Noch ein regionaler Bio-Großhändler in Schieflage: Naturkost Erfurt meldete Insolvenz in Eigenverwaltung an. Einem entsprechenden Antrag stimmte das Amtsgericht Erfurt bereits zu. „Unser Ziel ist, Naturkost Erfurt mit den Instrumenten des Insolvenz- und Sanierungsrechts wieder auf eine wirtschaftlich stabile Basis zu stellen“, schrieb Geschäftsführer Thomas Höscher (Foto) am 4. September in einem Brief an seine Lieferanten. Möglich werde dies etwa durch den Einstieg eines Partners in das bestehende Unternehmen oder durch die Aufnahme der Naturkost Erfurt in ein neues Partnernetzwerk beziehungsweise eine Unternehmensgruppe. „Unser Geschäftsmodell ist grundsätzlich intakt und derzeit lediglich von externen Faktoren beeinträchtigt“, so Hölscher weiter. Der Geschäftsbetrieb von Naturkost Erfurt läuft uneingeschränkt weiter. Hintergrund der Bestrebungen zu einer wirtschaftlichen Neuaufstellung sei die Kombination aus Kostensteigerungen und gleichzeitigen Umsatzrückgängen aufgrund der geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre. Im Rahmen des vorläufigen Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung dabei voll handlungsfähig. Bei der Neuaufstellung unterstützt ein Team aus Sanierungsspezialisten von Schultze & Braun um die Restrukturierungsexperten Christoph Rothämel, Dr. Thomas Dithmar und René Schmidt den Großhändler. „Die Rückmeldungen, die wir bislang erhalten haben, stimmen uns positiv. Mitarbeitende, Lieferanten, Kunden und Geschäftspartner signalisieren, dass sie die angestrebte Sanierung unterstützen wollen“, sagt Hölscher. Die Löhne und Gehälter der 65 Mitarbeitenden sind bis Ende November über das sogenannte Insolvenzgeld gesichert. Ab Dezember soll das Unternehmen so aufgestellt sein, dass die Löhne und Gehälter wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaftet werden können.
Naturkost Erfurt ist nicht der erste regionale Großhändler in finanzieller Schieflage: Erst im August hatte Naturkost Nord Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, und Anfang des Jahres stieg die Edeka Rhein-Ruhr Stiftung als Gesellschafter bei Naturkost West ein. Bereits im Juli meldete Nabuko vorläufige Insolvenz an. Das Unternehmen aus Uelzen belieferte 25 Jahre lang vor allem Kitas und Schulen, Krankenhäuser und Mensen mit Bio.
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Autor
Heike van Braak
Veröffentlicht am
04.09.2026