Wettbewerb im LEH aus dem Lot

Foto: Pixabay/Countselling 2025
Ausgequetscht: Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen geht immer weiter auseinander. Das am 21. November vorgestellte Sondergutachten der Monopolkommission zu Lebensmittellieferketten bestätigt die negativen Folgen der zunehmenden Marktkonzentration. Demnach teilen sich die vier Supermarktgiganten Edeka, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Rewe und Aldi mehr als 85 Prozent des Marktes untereinander auf. Oxfam Deutschland, Forum Fairer Handel und Rebalance Now sehen deutlichen Handlungsbedarf bei Bundesregierung und Wettbewerbsbehörden. „Die Marktmacht der Supermärkte und dominanter Lebensmittelkonzerne ist zu groß geworden. Was in Deutschland auf den Tisch kommt, hängt an der Marktmacht von nur vier Supermärkten. Die Rechnung zahlt die Landwirtschaft – und wir Verbraucher“ kommentiert Steffen Vogel, Referent für Menschenrechte in Lieferketten von Oxfam Deutschland. Diese Macht der Supermärkte sei ein Fall für das Bundeskartellamt: „Es muss zeitnah eine Sektoruntersuchung durchführen und auch strukturelle Maßnahmen wie eine Entflechtung dominanter Konzerne in den Blick nehmen”, fordert Vogel. Einer neuen Analyse von Oxfam und Forum Fairer Handel zufolge können die Supermärkte gegenüber ihren Lieferanten zunehmend Druck ausüben und Preise diktieren. „Wir werden ausgequetscht wie eine Zitrone – das berichten uns Lieferanten der Supermärkte“, sagt Maja Volland, Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte beim Forum Fairer Handel. „Die Supermärkte wollen möglichst viel an Marge heraushandeln, ohne Rücksicht darauf, ob die Kosten der Lieferanten gedeckt sind.“ Bundesregierung und Behörden müssten stärker gegen unlautere Handelspraktiken vorgehen, sonst würden immer mehr kleinere Lebensmittelhersteller und Kleinbauern aus dem Markt gedrängt. „Wir brauchen zudem ein Gebot kostendeckender Einkaufspreise”, so Göpel. Das Forum Fairer Handel, Oxfam Deutschland und Rebalance Now sind Teil der Initiative „Konzernmacht beschränken“, einem Bündnis von 28 Umwelt-, Landwirtschafts-, und Entwicklungsorganisationen, die sich für ein starkes Kartellrecht und die Bekämpfung von Monopolmacht einsetzen. „Der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel ist aus dem Lot. Millionen Menschen müssen bei Ernährung sparen, Höfe kämpfen ums Überleben - und Aldi, Rewe & Co. kassieren immer höhere Margen", so auch Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von Foodwatch. Übrigens: Die Bundesregierung beauftragte die Monopolkommission im Januar 2024, die Lebensmittelwertschöpfungskette genauer zu untersuchen. Anlass war die auffällige Diskrepanz zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen. Erste Erkenntnisse stellte die Kommission in ihrem Hauptgutachten im Juli 2024 vor. Aufgrund der begrenzten Datenlage sprach sie jedoch keine konkreten Empfehlungen aus. Stattdessen wurde die Lieferkette in dem aktuellen Sondergutachten nochmals vertieft analysiert.
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Autor
Heike van Braak
Veröffentlicht am 21.11.2025
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