Frankreich: Hacker tauen Ware auf
Schaden in Millionenhöhe: Hunderte Kühlanlagen französischer Supermärkte sind nach einem Cyberangriff heißgelaufen. Die Attacke legte knapp 700 von rund 10.000 Geschäften lahm, darunter Filialen von Super U, U Express, Marché U, E.Leclerc und Carrefour. Der Angriff richtete sich gegen den dänischen Technikdienstleister Danfoss, der mit den betroffenen Händlern zusammenarbeitet. Aus der Ferne tauten Angreifer die Kühlgeräte in den Filialen ab und heizten sie stundenlang auf bis zu 50 Grad Celsius auf. In einigen Märkten brachen Brände aus. Lebensmittel verdarben und mussten entsorgt werden. Auch bei niederländischen Unternehmen kam es zu Störungen, etwa bei der Supermarktkette Ahold Delhaize.
Frankreichs Finanzminister Roland Lescure nennt die Attacke einen „Weckruf an alle“. Auch politische Akteure in Deutschland sind alarmiert. Cyberangriffe trafen zuletzt nicht nur den Berliner Senat, sondern auch Lidl – im Jahr zuvor Tegut. Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), betont: „Die Vorfälle in Frankreich zeigen deutlich, wie Cyberangriffe unseren Alltag beeinflussen und stören können.“
Wie verwundbar die Lebensmittelversorgung ist, beschäftigt auch den Bundestag: Vergangene Woche hatte er einen Antrag der Grünen-Bundestagsfraktion für eine krisenfestere Lebensmittelversorgung abgelehnt. Niklas Wagener (Bündnis 90/Die Grünen) fordert nun, Ernährungssicherheit als Teil der zivilen Verteidigung zu betrachten. Er sagt: „Die Bundesregierung muss Deutschland und unsere Unternehmen der Ernährungs- und Lebensmittelwirtschaft auf Cyberangriffe, Stromausfälle oder Sabotage vorbereiten.“ Dafür brauche es klare Zuständigkeiten und regelmäßige Übungen mit der Lebensmittelwirtschaft.