Biofach wichtiger denn je: Rekorde und Riesengap
Bio stellt Rekorde auf und kommt doch nicht nach: Hinter vier Messetagen in Nürnberg steht das klare Bekenntnis zur Biofach als Place to be für den Sektor – auch wenn die Zahl der Fachbesuchenden mit 32.000 hinter dem Ergebnis des Vorjahres bleibt. 2.200 Ausstellende aus fast 90 Ländern standen ebenfalls für einen Rückgang, der sich in den Hallen sichtbar abzeichnete. Dennoch: Die Branche versteht ihre Biofach als Plattform, die auch in herausfordernden Zeiten neue Impulse für Bios Schulterschluss setzen muss. Intensive Fachgespräche, politische Impulse und eines breit angelegten Kongressprogramms bildeten vom 10. bis 13. Februar den Rahmen für diese Plattform. Sie spannt einen internationalen Bogen: Etwa jeder zweite Fachbesuchende reiste aus dem Ausland an. Trotz Einschränkungen im öffentlichen Nah- und Luftverkehr ermöglichte die Messe den Austausch zwischen Herstellern, Handel, Politik und weiteren Stakeholdern. Immer präsent: das Leitthema „Growing Tomorrow: Young Voices, Bold Visions!“, das neben Trends, Innovationen und Marktentwicklungen vor allem junge Perspektiven auf resiliente und zukunftsfähige Ernährungssysteme in den Fokus stellte.
Traditionell nutzte der BÖLW die Biofach zur Vorlage der aktuellen Marktdaten. Demnach setzte der deutsche Bio-Markt seinen Wachstumskurs fort: Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln stieg 2025 um 6,7 Prozent auf 18,23 Milliarden Euro. Bio erreicht damit einen Anteil von rund 6,6 Prozent am gesamten Lebensmittelmarkt. Deutlich hinterher hinkt jedoch die Erzeugung: Die Öko-Fläche wuchs lediglich um 1,1 Prozent und erreicht nun 11,7 Prozent der Agrarfläche. In der Folge nahmen die Bio-Importe zu – nicht nur bei Milch, Butter und Fleisch, sondern auch bei gängigen Feldgemüsearten wie Möhren und Zwiebeln.
„Das zweite Jahr in Folge sorgt Bio für deutliches Wachstum und ist damit Leuchtturm im deutschen Lebensmittelmarkt. Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen die Wertigkeit von Bio – trotz Inflation und Wirtschaftskrise“, ordnete BÖLW-Vorsitzende Tina Andres die Entwicklung ein. Dass die Erzeugung mit der Nachfrage nicht Schritt halte, sei jedoch eine vertane Chance. Andres forderte klare politische Signale, Planungssicherheit für umstellungswillige Betriebe und die konsequente Umsetzung der Bio-Strategie mit Blick auf das 30-Prozent-Ziel. Nur so könne Bio seine Rolle als zentrale Transformationsbranche voll entfalten. Zugleich unterstrich Andres die Bedeutung der Branche als Arbeitgeber: Mindestens 388.000 Menschen arbeiten laut BÖLW entlang der gesamten Bio-Wertschöpfungskette. Fast jedes zweite Bio-Unternehmen plane zudem Neueinstellungen – ein deutliches Signal für die Rolle von Bio als Zukunfts- und Beschäftigungsbranche.


