Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Kein Bio ohne Bios

 

Auf dem Highway zur Klimahölle fällt es schwer, geduldig zu bleiben. Alles geht so furchtbar langsam – viel zu langsam. Doch während sich das große Ganze nur unwesentlich bewegt, geht es im Kleinen mitunter schnell und hektisch zu. Viele Bio-Akteure fühlen sich derzeit von diversen Unwägbarkeiten getrieben, einigen geht sogar die Puste aus. Durchhalteparolen lassen sich leicht zu Papier bringen – deutlich schwerer erweist es sich wohl, sie mit Leben zu füllen.

Eines lässt sich allerdings nicht von der Hand weisen: Ohne Bios gibt es kein Bio. Der Fachkräftemangel treibt den Sektor schon lange um – im Handel, aber auch bei Erzeugern und Verarbeitern kommt es zu Engpässen. Daran ändert auch der Umsatzrückgang nur wenig. Er erfordert mehr Effizienz, aber nicht zwangsläufig weniger Mitarbeitende. Doch junge Menschen zu begeistern, scheint in einigen Bereichen zum Hexenwerk zu mutieren. Wie sehr die Branche
hier im Wettbewerb steht und wie schwer die Krise da in die Waagschale fällt, beleuchten wir
ab Seite 20.

In der Krise bloß nicht die Krise kriegen: Die Zahlen im Fachhandel deuten zwar ein Ende der Talsohle an, bleiben aber mau. Jetzt wird es höchste Eisenbahn, alle Prozesse im Unternehmen kritisch zu prüfen und dabei jeden Stein noch einmal umzudrehen. Für das große Rad reicht das Optimierungspotenzial sicher nicht, aber die Summe der kleinen Schritte kann durchaus Luft nach oben aufzeigen. Ab Seite 30.

Was ist dir Bio wert? Mit dieser heiklen Frage beschäftigen sich derzeit auch die Regionalwert Aktiengesellschaften: Sie bringen eine Kampagne an den Start, um auf die mitunter existenzbedrohende Situation von Bio-Erzeugern, aber auch von Direktvermarktern und Händlern aufmerksam zu machen. Mit vielen Video-Botschaften von den Höfen und mit Unterstützung unter anderem von BÖLW-Chefin Tina Andres. Ab Seite 30.

Auch für diese Ausgabe machte sich unsere Redaktion wieder auf den Weg. Sie besuchte diesmal zwei Akteure, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf dem Biolandhof Kruse lernten wir ein Paar kennen, das im Osnabrücker Land 14 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Michael Kruse und Martina Heidebreck spüren die Auswirkungen der aktuellen Krisen ganz unmittelbar – bleiben aber
dennoch selbstbewusst. In Berlin trafen wir auf ein Start-up, das ein ganz anderes Feld beackert. Koro gibt Monat für Monat ein Heidengeld für Influencer aus. Die Rechnung geht offensichtlich auf: In einem einzigen Jahr verdreifachte Koro den Umsatz. Kaufzurückhaltung spüren auch die Berliner – aber sie bleiben auf ihrem Kurs. Ab Seite 40..

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

Summe der kleinen Schritte

MANAGEMENT • In der Krise bloß nicht die Krise kriegen: Bio-Ladner mussten im ersten Halbjahr 2022 ein Umsatzminus von fast 14 Prozent verkraften. Der Negativtrend schwächt sich zwar ab, aber noch immer bleiben die Zahlen im Fachhandel mau. Um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten, sind Einzelhändler gut beraten, alle Prozesse auf den Prüfstand zu stellen.

„Die beste Werbung für Bio“

INTERVIEW • Klemens Fischer zieht viele Strippen. Zehn Jahre lang gab er an der Demeter-Spitze wichtige Impulse für den Sektor, heute arbeitet er in der eigenen Agentur an der Weiterentwicklung von Bio. Egal, ob im Bio-Laden oder im LEH. BIOwelt sprach mit Fischer über Preis-Aktionen und Pionier-Strukturen, das Bio-Gen und Belohnungen.

Besinnung auf Stärke

MACHER • Bio steckt in der Krise – diese Schlagzeile geistert seit dem Preisschock infolge des Kriegs in der Ukraine durch viele Medien. Öko-Erzeuger meldeten Umsatzeinbußen bei gleichzeitig explodierenden Preisen. BIOwelt will es genauer wissen und hörte sich bei Betroffenen um. Diesmal bei den Betreibern des Biolandhofs Kruse in Bramsche. Als Direktvermarkter spüren sie die Verunsicherung der Verbraucher unmittelbar. Als erfahrene Unternehmer bleiben sie zum Jahreswechsel trotzdem selbstbewusst.