Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Guter Lohn ist teuer?

 

Krisengewinner. Das Wort klingt irgendwie hässlich. Denn Gewinn aus einer Notlage zu schlagen, hört sich verdächtig nach Bereicherung an. Dennoch: Nach dem Corona-Jahr 2020 fällt es schwer, die großen Player des LEH nicht als Krisengewinner zu bezeichnen.

In Zeiten der Umsatzrekorde feierten eben jene Profiteure ihre Mitarbeiter als Helden. Jetzt gingen diese Helden für mehr Geld auf die Straße. Verdi rief zum Warnsteik auf und Tausende folgten. Die Forderungen: 4,5 Prozent mehr, ein Mindestlohn von 12,50 Euro und eine Tariflaufzeit von zwölf Monaten. Lidl erweist sich hier als Musterknabe und regelt das bereits seit 2019 intern. 12,50 Euro gibt es beim Discounter schon zum Einstieg. Doch wie sieht es im Naturkostfachhandel aus? Also
dort, wo vieles premium ist und noch andere Werte gelten? BIOwelt sah sich um und kam zu dem Schluss: Guter Lohn ist ganz schön teuer. Und den muss sich ein Bio-Laden erst einmal leisten können. Ab Seite 20.

Andere Werte treiben diesen Mann noch mit über 80 Jahren um: Bernd Weiling gehört zu den leisen, bescheidenen Bio-Pionieren – gerade weil ihm Respekt und Unabhängigkeit so wichtig sind. Und vielleicht sind es gerade diese Prinzipien, die Familie Weiling so erfolgreich machen. BIOwelt sprach mit Bernd Weiling und seinem Sohn Thomas über Ladner und das neue Leitbild, Premium-Bio und Bio für die Ohren. Ab Seite 28.

Blick zurück auf den Februar: Noch vor einem halben Jahr sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit Handel und Herstellern entschieden gegen Mindestpreise für Lebensmittel aus. Jetzt grätscht ihr die EU dazwischen und fordert verbindliche Mindestwerbepreise. Ist dann endlich Schluss mit dem aggressiven Preiskampf für Markenprodukte? Ab Seite 34.

Corona kurbelte auch im Bio-Laden Löwenzahn 81 den Umsatz an. Inhaber Ludger Vollmer behauptet sich seit vier Jahrzehnten in Castrop-Rauxel, aktuell plant er eine Kampagne zum runden Geburtstag. Das Wichtigste für ihn ist, sich immer wieder zu verändern. Vollmer feiert selbst bald seinen 70. Geburtstag und könnte eigentlich aufhören. Wenn es nicht so viel Spaß machen würde. Ab Seite 38.

Spaß macht Bio auch einer Ladnerin aus Berlin, aber sie denkt bereits übers Aussteigen nach: Anne Weis führt mit ihrem Mann Helmut Welp die Bioinsel in Schöneberg, aber der eigene Hof in Brandenburg wartet schon auf das Paar. Für eine Bioinsel der ganz anderen Art. Ab Seite 42.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

Wie viel Öko steckt im Preis?

TITEL • Bio geht auch billig. Das ist die Botschaft, die Aldi derzeit suggeriert. Mit Bio-Hack zum Dumping-Preis für mehr Tierwohl, aber auch mit griffigen Slogans fürs eigene Bio-Sortiment. „Meinungsfreiheit ist unbezahlbar, Qualität nicht“ wirbt der Discounter. Dreht sich die Preisschraube nun kräftig weiter? Dabei ist der Ruf nach wahren Preisen drängender denn je.

„Die Zeichen stehen auf Go“

INTERVIEW • Endlich wieder präsent: BioNord und BioSüd öffnen im Herbst ihre Tore in Hannover und Augsburg. BIOwelt sprach mit Veranstalter Matthias Deppe über Hygiene und Hallenkonzepte, Verkostungen und Veranstaltungen.
Nie wieder ohne
Kantine Zukunft by Saskia Uppenkamp | Photographer

Nie wieder ohne

MACHER • Das einstige House of Food in Kopenhagen legt ordentlich vor. Berlin zieht mit der Kantine Zukunft nach und weist nach knapp einem Jahr bereits eine lange Referenzliste auf. Ein ehrgeiziges Projekt, in das der Berliner Senat mehr als drei Millionen Euro steckt. Erklärtes Ziel: bis zu 60 Prozent Bio in den Hauptstadt-Kantinen.