Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Am Haken

 

Manches will man gar nicht so genau wissen. Da sehen wir lieber weg, weil die
Erkenntnis schmerzhaft sein könnte. Aber es gibt Ereignisse, die wie ein
Brennglas wirken und uns zwingen, ein zweites Mal hinzuschauen. Corona
ist so ein Ereignis – und dennoch wird selbst jetzt in dieser Krise scheinbar nur die
Spitze des Eisbergs sichtbar: der Tatort Tönnies. Doch diese Spitze zeichnet ein so
erschreckendes Bild, dass wir eigentlich nur zu einem Schluss kommen können: Das
Wegsehen muss ein Ende haben. Eigentlich.

Nicht Wegschauen müssen Marktbeobachter aktuell, wenn es um die Entwicklung des
Naturkostfachhandels geht. Nein, in Zeiten von Corona gehört Bio zu den Gewinnern.
Das hat sicherlich einen faden Beigeschmack, wirkt sich aber positiv auf die Umsatzzahlen
aus. Ein Blick auf das Fachhandelsbarometer von Wobkom ab Seite 16.

Für die BIOwelt ist 2020 ein ganz besonderes Jahr: Sie wird 15 Jahre alt. In dieser
Ausgabe lassen wir diese Zeit des Wandels noch einmal Revue passieren. Wir sehen in
die erste Ausgabe der BIOwelt, auf die Veränderungen des Marktes, auf Menschen,
ihre Geschichten und auf einen tragischen Verlust. Ab Seite 20.

Wegschauen war noch nie eine Option für die BIOwelt. Darum wirft die August-
Ausgabe einen kritischen Blick auf die Fleischwirtschaft. Wer dort überleben will,
muss Größe haben. Alles andere funktioniert heute nicht mehr. Das deutschlandweite
Schlachthofsterben in den letzten Jahrzehnten dient als sicherer Beweis eines
Strukturwandels, der ein System hervorgebracht hat, das keinen Platz lässt für Respekt
– weder vor Menschen noch vor Tieren. Die Politik mag wettern und versprechen,
Werkverträge künftig zu verbieten – sie hat bei der Entwicklung dieses fehlgeleiteten
Systems mehr als nur eine Statistenrolle. Ab Seite 24.

Von Anfang an Bio? Dieser Frage geht auch die aktuelle Ausgabe wieder nach. Diesmal
zu Wort kommt FiBl-Expertin Freya Schäfer. Sie beschreibt den Status quo in der
Öko-Pflanzenzüchtung und bemängelt eine unkoordinierte Finanzierungslandschaft.
Statt nur den Finger in die Wunde zu legen, macht Freya Schäfer aber auch direkt
konkrete Vorschläge, wie es besser laufen könnte. Ab Seite 30.

Über Zweifel und Vertrauen, aber auch über die Folgen der Umstrukturierung im
eigenen Unternehmen spricht Logocos-Chefin Eva Leihener-Stefan in einem Interview.
„Logocos bleibt eine eigene Einheit“, sagt sie. Als L’Oréal den Naturkosmetik-Pionier
übernahm, gab es öffentliche Schelte und diverse Auslistungen. Mit vielen Vorbehalten
habe man aufgeräumt, resümiert Eva Leihener-Stefan. Ab Seite 34.

Deutlich wird in diesen Zeiten vor allem eines: Reden allein hilft nicht. Schreiben
leider auch nicht. Aber es ist ein Anfang. Darum: Viel Spaß beim Lesen!.

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

Am Haken
Foto: BlackRiv / pixabay.com 2020

Am Haken

TITEL • Es gibt Begriffe, die sind untrennbar mit Corona verbunden. Die Maske ist einer – ein anderer das Brennglas. Agrarministerin Julia Klöckner griff beim Fleischgipfel verbal zur Lupe, um am Fall Tönnies auf die Missstände einer ganzen Branche aufmerksam zu machen. Was sie verschwieg: Den Tatort Tönnies gibt es nicht erst seit der Pandemie. Und die Politik hat weit mehr als nur eine Statistenrolle.
LOGOCOS BLEIBTEIGENE EINHEIT
Foto: Logocos 2020

LOGOCOS BLEIBT
EIGENE EINHEIT

INTERVIEW • Der französische Konzern L’Oréal baut seine Naturkosmetik-Tochter Logocos jetzt doch um. BIOwelt sprach mit Eva Leihener-Stefan, Geschäftsführerin des Bio-Pioniers, über die Ausgliederung einzelner Bereiche und Folgen für die Belegschaft – aber auch über Vertrauen, Zweifel und persönliche Werte.

Der Corona-Boom

FACHHANDELSBAROMETER • Erst kam der Lockdown, dann der Run auf Bio: Der Fachhandel gehört in Zeiten von Corona zu den eindeutigen Gewinnern. Die beeindruckende Zahl dahinter: satte Zuwächse von 33,5 Prozent im ersten und knapp 25 Prozent im zweiten Quartal. Doch bleibt der Service ein Stiefkind?