Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Woher weht der Branchenwind

 

Mit 30 ist die Biofach im besten Alter – meinte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein
bei der Eröffnung. Er hat genau wie die Weltleitmesse sechs Töchter und
weiß also, wie es mit den Mädels so läuft. Nie blicken Eltern wirklich
durch, wie das werte Befinden gerade ist. Stimmt leider, ich bin selbst Mutter einer
Tochter. Ähnlich war es auch in diesem Jahr mit der Biofach. Die große Bio-Offensive
des LEH sorgte im Vorfeld allerorts für hitzige Diskussionen – wirklich begeistert
war niemand. Ein Stimmungsbarometer auch für die Messe?

Wenn ja, dann scheint sich der vermeintliche Bio-Boom positiv ausgewirkt zu haben.
Die Stimmung in den zehn Messehallen war gut, wenn auch hier nicht nur am Rande
über Premium-Bio im Discount und eine immer schwieriger werdende Rohstoffbeschaffung
diskutierte wurde. Ebenfalls ein Thema bei Saft- und Schoko-Herstellern
gleichermaßen, aber auch bei vielen anderen Akteuren: die Reduktionsstrategie. Sie
kommt zwar erstmals mit Zielwerten daher, löst aber die Zweifel an ihrer Wirksamkeit
keinesfalls auf. Während einige Medien der Branche Überheblichkeit vorwarfen angesichts
der aktuellen Entwicklungen, sparten die Bios nicht an Selbstkritik. Zum Beispiel
am großen Nachholbedarf bei den Verpackungen. Dennoch: In Nürnberg dominierte
die Zuversicht. Es war kein Aufbruch, aber ein Anfang. Ab Seite 16.

Deutlich ausgelassener und mit einem Touch ins Bayerische ging es am Vorabend der
Messeeröffnung im Nürnberger Schindlerhof zu. Anlass: die Verleihung des BIOwelt
Awards 2019. Der begehrte Branchenpreis ging in diesem Jahr an Karin und Michael
Sendl aus Weilheim – nicht nur für ihren Vollsortimenter Biomichl, sondern auch für
ihr Verständnis von Bio von Anfang an. Sie starteten mit einem winzigen Hofladen und
bewirtschaften auch heute noch selbst einen 65 Hektar großen Bioland-Hof. Lesen Sie,
warum wir die Familie Sendl für preiswürdig halten. Ab Seite 28.

Messe hin, Messe her. An einem Thema kamen wir auch in dieser Ausgabe nicht vorbei:
die denkwürdige Kooperation von ausgerechnet Bioland mit Lidl. Der größte Anbauverband
und ein für Greenwashing bekannter Discounter? BIOwelt sprach mit Jan
Bock, dem Lidl-Einkaufs-Chef, über Vertrauen und Fairplay, den Kampf um Margen
und sein persönliches Verständnis von Bio. Ab Seite 32.

Ein bisschen geschafft sind wir schon von der Messezeit. Von unzähligen gelaufenen
Kilometern und noch mehr interessanten Gesprächen. Aber da die bekanntlich Brücken
sind, die Menschen verbinden, fällt auch unser Fazit im Nachklang des Messe-Duos
Biofach und Vivaness positiv aus. Das System Bio hat wieder an Strahlkraft gewonnen.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

„Essen liefern geht auch ohne Müll“
Foto: Vanilla Bean 2019

„Essen liefern geht
auch ohne Müll“

Vier Jungs, eine App: Das verbarg sich bislang hinter Vanilla Bean. Doch die Gründer wollen nicht nur den Weg zu veganen Restaurants zeigen. Sie bringen jetzt einen bislang einzigartigen Lieferservice an den Start. Einen, der ohne Verpackungsmüll auskommt.
“Bio ist mehr”
Foto: BNN e.V. 2019

“Bio ist mehr”

Die Kooperation zwischen Bioland und Lidl sorgte in den letzten Wochen für heftige Diskussionen. Um den Fachhandel bangt BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. Sie kommentiert mögliche Auswirkungen.
„Wir haben einen Meilenstein erreicht!“
Foto: Lidl 2019

„Wir haben einen
Meilenstein erreicht!“

Es ist eine merkwürdige Partnerschaft: Ausgerechnet Lidl – ein Discounter, dem der Greenwashing-Verdacht vorauseilt – schließt einen Vertrag mit Bioland. Verspielt der Verband sein Image – oder nutzt er eine Chance? Und was treibt Lidl wirklich um? BIOwelt sprach Jan Bock.