Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Eine Frage der Haltung

 

Acht Monate Pandemie, die Fallzahlen steigen und die Laune sinkt langsam, aber
doch deutlich spürbar. Schärfere Regeln greifen im Lande, aber noch immer
gibt es einen Flickenteppich regionaler Vorschriften, bei dem niemand so
wirklich weiß, was gilt. Einigkeit herrscht indes bei vielen, dass diese zweite Welle
etlichen Unternehmen Kopf und Kragen kosten könnte.

Gut bleibt die Stimmung in der Bio-Branche. Sie gehört noch immer zu den Gewinnern
der Pandemie, auch wenn dieses Gefühl von einem nagenden Zwiespalt begleitet wird.
Unterm Strich belegen die Zahlen: Bio wächst in Zeiten von Corona. Im dritten
Quartal 2020 verzeichnet die Naturkostbranche laut aktuellem Wobkom Fachhandelsbarometer
ein Wachstum von bis zu 24 Prozent. Noch nicht mit drin: die Hamsterkäufe,
die aktuell wieder einsetzen. Ab Seite 16.

Weniger schön: die Bilder, die das ZDF im September zur besten Sendezeit aus einem
Bio-Legehennenstall zeigte. Mit Tieren, die aussahen wie gerupfte Suppenhühner, und
randvollen Kadavertonnen. Ist auch das Bio? Wir waren zutiefst entsetzt, haben uns
umgehört und umgesehen. Was wir gefunden haben: Bio-Ställe mit großem Auslauf,
aber Enge im Inneren. Tausende von Tieren in aneinandergereihten Abteilen. Aber auch
Tiere, die im Freien neugierig auf die Kamera zukamen, pickten, scharrten und eigentlich
ganz zufrieden aussahen. Glückliche Hühner also? Was auch hier bleibt ist Zwiespalt.
Zumindest in der Redaktion der BIOwelt. Ab Seite 20.

Was viele Verbraucher wundert: Wo kommt all das Bio-Obst und -Gemüse her?
Können importierte Produkte überhaupt nachhaltig sein? BIOwelt sprach mit der
neuen Geschäftsleitung des Bio-Importeurs und -Erzeugers Lehmann Natur über
Flugmeilen und Fairness, Regionalität und Permakultur. Ab Seite 26.

Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit stand auch der 13. Naturkosmetik Branchenkongress
in Berlin. Endlich wieder Face to Face – und doch irgendwie anders. Mit
Maske und Distanz, aber mit spannenden Beiträgen und der Frage: Wie sieht die
Rohstoffbeschaffung der Zukunft aus? Ab Seite 30.

Ordentlich zu knabbern an der Pandemie haben die Ladenbauer. Denn seit dem
Lockdown überlegen es sich viele Geschäftsinhaber zweimal, ob sie Geld für eine
Modernisierung in die Hand nehmen. Große Investionen wollen wohlüberlegt sein.
Doch schon vor Corona gab es den klassischen Ladenbauer nicht mehr. Er verwandelte
sich mit den Jahren zunehmend in einen Allrounder. Ab Seite 34.

Wer die vielen Lebkuchen noch nicht entdeckt hat: Wir gehen stramm auf Weihnachten
zu. Und was darf dann nicht fehlen? Genau: der Öko-Weihnachtsbaum. Aber was
macht ihn bio, und lohnt es sich, die Öko-Tanne im Naturkostladen zu verkaufen?
BIOwelt hat sich auch hier umgehört. Ab Seite 38.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

Vom Möbeltischler zum Allrounder
Foto: Petzinger 2020

Vom Möbeltischler zum Allrounder

MANAGEMENT • Den klassischen, einfachen Ladenbauer gibt es kaum noch. Die Aufgaben sind heute vielfältig und breit gestreut. Doch reicht das auch in Corona-Zeiten für volle Auftragsbücher?
Wir sind nicht perfekt, aber wir arbeiten daran
Foto: Lehmann Natur 2020

Wir sind nicht perfekt, aber wir arbeiten daran

INTERVIEW • Kann der Apfel aus Argentinien wirklich öko sein? Und wo kommt überhaupt all das Bio-Obst her? Heute und in Zukunft? BIOwelt sprach mit dem Bio-Obst- sowie Gemüse-Importeur und Erzeuger Lehmann Natur aus Meerbusch über Fairness und Flugmeilen, Regionalität und Permakultur.
Alles eine Frage der Haltung
Foto: Farmermobil 2020

Alles eine Frage der Haltung

MANAGEMENT • Verstörende Bilder aus dem Bio-Hühnerstall: Das ZDF zeigte sie im September zur besten Sendezeit. Bei Bio-Eiern tricksen viele Hersteller ganz legal – so das Fazit von Frontal 21. Tierschützer sprachen von Ausbeutung und Leid, Etikettenschwindel und totaler Lüge. Doch wie leben Hennen wirklich in deutschen Öko-Betrieben?