Aktuelle Ausgabe | BIOwelt

Baustelle Deutschland.

 

Bislang ging ich als echter Talkshow-Junkie durch. Ob Lanz, Miosga oder Maischberger – in Dauerschleife zog ich mir Diskussionsrunden in kaum abweichender Besetzung rein. Jetzt schalte ich bewusst ab. Wenn Politiker nur im TV-Studio auf Sendung sind, während die Welt sich im Dauerkrisenmodus scheinbar neu sortiert, bleibt mein Fernseher aus. Zumindest immer öfter.

Auf den ersten Blick scheint Bio gut durch die Krisen dieser Welt zu kommen. Trotz Inflation knackt der Umsatz neue Rekorde, doch nicht alle können den Wachstumskurs mitgehen. Während Drogerien und Discounter weiterhin profitieren, straucheln andere Formate. Der Bio-Fachhandel verliert nach neuesten Zahlen von Biovista im ersten Quartal 2026 gleichermaßen Umsatz und Kunden. Ab Seite 18.

Hinter dem Bio-Boom steckt ein gewaltiger Balanceakt. Sinkende Umsätze, steigende Energie- und Rohstoffkosten, Fachkräftemangel, der Bürokratiewust und nicht zuletzt der scharfe Preiswettbewerb fordern ihren Tribut. Da wird es nicht nur auf den Höfen brenzlich. Bäcker werfen hin, Mühlen verschwinden und Fleischereien geben auf. Indes regiert in Berlin eine Politik auf Pump. Der Bio-Boom bildet nur die halbe Wahrheit ab. Ab Seite 22.

Es sind herausfordernde Zeiten für den Sektor, der auf die Politik offenbar nicht zählen kann. Doch wie muss sich die Bio-Branche ausrichten, wenn globale Krisen das bisherige Denken und Handeln radikal infrage stellen? BIOwelt sprach mit dem Agrarökonomen Prof. Dr. Achim Spiller von der Uni Göttingen über tönerne Füße und blinde Flecken, Regional-Washing sowie Risiken und
Chancen der Bio-Allianz. Ab Seite 28.

Die neue EmpCo-Richtlinie will nicht nur Greenwashing einen Riegel vorschieben. Ihr Ziel ist es auch, Werbebotschaften zu regulieren, die auf Regionalität setzen. Denn die verspricht mitunter mehr als sie halten kann, weckt aber immer großes Vertrauen. Ab Seite 34.

Mehr Wertschätzung für Erzeuger wünscht sich Karin Brunswinkel-Röh. BIOwelt besuchte sie in ihrem Bioladen Badbergen auf einem historischen Fachwerkhof mitten im Artland. Was hier statt Barcode zählt: die hohe Demeter-Qualität. Außerdem lernte unsere Redaktion in Schwäbisch Hall einen Ladner kennen, der selbst Läden baut: Jörg Kunze entwickelte aus der schwierigen Realität seines Bioritters ein mobiles 24/7-Verkaufskonzept. Ab Seite 36.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre Heike van Braak

Aus dem Inhalt

Der Ladner, der Läden baut

MACHER • Jörg Kunze baut Bio-Märkte in ganz Deutschland. In Schwäbisch Hall betreibt der Ladenbauer selbst einen: den Bioritter. Aus der schwierigen Realität des Standorts entwickelte er eine neue Idee: ein mobiles 24/7-Verkaufskonzept, das kleinen Bio-Läden zusätzliche Umsätze bringen soll.

„Bio-Käufer erwarten mehr“

INTERVIEW • Bio boomt im Regal – doch vor allem Discounter und Drogerien profitieren. Auch der Öko-Acker kommt auf diesem Wachstumskurs nicht hinterher. Markenhersteller müssen sich strecken, und Landwirte verlieren das Vertrauen in die Politik. Herausfordernde Zeiten für den Sektor. BIOwelt sprach mit dem Agrarökonomen Prof. Dr. Achim Spiller von der Uni Göttingen über tönerne Füße und blinde Flecken, Regional-Washing und Risiken der Bio-Allianz.

Abgehängt

FACHHANDELSBAROMETER • Bio boomt trotz Inflation – das meldete der BÖLW Anfang Mai. Das Umsatz-Plus liegt bei strammen sechs Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2025 und steht für Einnahmen von insgesamt 4,91 Milliarden Euro. Das ist erst mal eine Ansage. Doch was wie eine Fußnote klingt, steht für eine mehr als ernüchternde Bilanz: Der Fachhandel kann diesen Wachstumskurs nicht mitgehen. Biovista-Zahlen belegen: Bio-Läden verlieren im ersten Quartal 2026 gleichermaßen Umsatz und Kunden.