Naturland und Bioland prüfen In-Ovo
Bislang galt sie als rote Linie, jetzt prüfen Naturland und Bioland die In-Ovo-Selektion: Sie wollen gemeinsam vorgehen und sich eng abstimmenn, unter welchen Voraussetzungen Früherkennungstechniken künftig für ihre Verbandsbetriebe eine Rolle spielen könnten. Die Delegierten von Naturland beauftragen das Präsidium auf ihrer Versammlung in Fürstenfeldbruck, bis zur nächsten Versammlung im Herbst einen Vorschlag zu erarbeiten, unter welchen Voraussetzungen die Geschlechterbestimmung im Ei künftig als zusätzliche Alternative neben Bruderhahn und Zweitnutzungshuhn zugelassen werden könnte. Dennoch bewertet Naturland das Bruderhahn-Konzept in Süddeutschland und Österreich als großen Erfolg, weil es dort gelungen ist, starke Wertschöpfungsketten für Eier und Fleisch aufzubauen. Aber: „Zur Wahrheit gehört auch, dass dies im Norden nur eingeschränkt gelungen ist“, so Naturland Vize-Präsident Moritz Reimer. Zugleich sehe der Verband bei der Geschlechterbestimmung im Ei kontinuierlich fortschreitende technische Verbesserungen. Vorausgegangen waren intensive Abstimmungen des Fachausschusses Geflügel mit den Experten der anderen Verbände, insbesondere Bioland. „Es ist aktuell sehr viel Dynamik in der Thematik, daher beschäftigen sich auch unsere Mitglieder und Fachleute intensiv damit“, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge. Mit seinem Gastbeitrag über die europäische Agrarförderung bis 2028 erwiderte Plagge einen Besuch von Naturland Präsident Eberhard Räder bei Bioland Anfang März.
Bislang lehnen alle anderen großen Bio-Verbände die In-Ovo-Selektion ab und setzen auf die Bruderhahn-Aufzucht oder die Haltung von Zweinutzungshühnern – Biokreis preschte im Frühjahr 2026 im Alleingang vor. Experten diskutieren nach wie vor darüber, ob nach dem siebten Tag das Schmerzempfinden des Embryos einsetzt. Bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung heißt es: „Bereits nach dreitägiger Bebrütung entwickeln sich kleine Blutgefäße, die sich für eine Geschlechtsdiagnose nutzen lassen.“


