BIOFACH-Interview: Bio als der bessere Genuss
Der Bio-Markt steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Während Supermärkte, Discounter und Drogerien ihr Bio-Angebot ausbauen, sieht sich der Bio-Fachhandel mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Wie kann er sich in einem zunehmend preisorientierten Marktumfeld behaupten und dabei den Anspruch auf Qualität und Regionalität wahren? Antworten auf diese Fragen liefert der Handelsexperte Prof. Dr. Stephan Rüschen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg im Interview mit der BIOFACH, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel.
Gemeinsam für mehr Bio – ein Markt im Wandel
Die gute Nachricht: Bio-Produkte gewinnen immer mehr an Akzeptanz. Laut Prof. Rüschen wird das Ziel, bis 2030 einen Bio-Anteil von 30 % in Deutschland zu erreichen, nur gelingen, wenn alle Akteure – vom Discounter bis zum Bio-Fachhandel – an einem Strang ziehen. Dabei sieht er eine klare Rollenverteilung: Während Discounter Bio für den Massenmarkt erschwinglich machen, hat der Fachhandel die Chance, sich mit herausragender Qualität, Verbandsware und regionaler Kompetenz zu profilieren.
Doch es gibt auch eine Kehrseite: Die steigende Verfügbarkeit von Bio-Marken im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und bei Drogerien stellt den Fachhandel vor die Herausforderung, seine Alleinstellungsmerkmale klar herauszuarbeiten. „Die Fachhandelstreue von Bio-Markenherstellern ist vorbei“, so Rüschen. Eigenmarken dominieren das Angebot, was den Wettbewerb für etablierte Bio-Marken verschärft.
Der Bio-Fachhandel der Zukunft – regional und kundenzentriert
Um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben, empfiehlt Rüschen dem Fachhandel, stärker auf Regionalität und lokale Bedürfnisse einzugehen. Modelle wie bei EDEKA könnten Vorbild sein: Selbstständige Händler agieren unter einer gemeinsamen Marke, nutzen Synergien, bewahren aber gleichzeitig ihre individuelle Anpassungsfähigkeit vor Ort.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Ansprache der sogenannten „hybriden Kunden“, die zwischen Bio- und konventionellen Produkten wechseln. Durch gezielte Sortimentsstrategien, die Genuss, Qualität und Gesundheit in den Mittelpunkt rücken, könnte der Fachhandel neue Zielgruppen ansprechen und sich als „besserer Bio-Genuss“ positionieren.
Preisbewusstsein und Nachhaltigkeit im Einklang
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kombination von Bio, Regionalität und Genuss. Rüschen betont: „Bio muss nicht nur nachhaltig, sondern auch bezahlbar und genussvoll sein.“ Nur so kann Bio eine breite Kundschaft erreichen und langfristig im Handel als Selbstläufer etabliert werden. Der Fachhandel hat hier die Chance, sich durch Authentizität und Community-Nähe als unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Einkaufslandschaft zu behaupten.
Das ausführliche Interview mit Handelsexperte Prof. Rüschen, der als Speaker auf der BIOFACH 2025 sein wird, finden Sie unter: https://www.biofach.de/de-de/wissen-inspiration
BIOFACH 2025 von 11.-14.02.2025 in Nürnberg
Der BIOFACH-Fachhandelstreff in Halle 9 bietet eine Plattform für anregende Gespräche und den Austausch unter Gleichgesinnten rund um Themen oder Herausforderungen, die den Fachhandel beschäftigen.
Weitere Informationen unter: www.biofach.de


