Glyphosat für weitere zehn Jahre?
Überraschung in Brüssel: Die EU-Kommission schlägt vor, die Glyphosat-Zulassung gleich um zehn Jahre zu verlängern. Nun sollen die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob der umstrittene Unkrautvernichter weiter eingesetzt werden darf. „Die EU-Kommission schafft Fakten, bevor der öffentliche Druck und die öffentliche Aufmerksamkeit noch größer werden“, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im EU-Parlament. „Das ist ein umwelt- und gesundheitspolitischer Skandal, die Faktenlage zur Unbedenklichkeit von Glyphosat ist fragwürdig.“ Bioland forderte den Bundeslandwirtschaftsminister auf, die Wiederzulassung zu verhindern. Dazu Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik und Kommunikation: „Der grüne Agrarminister Cem Özdemir ist für eine Landwirtschaft angetreten, die wieder mehr im Einklang mit unseren Lebensgrundlagen wirtschaften soll. Daher muss er im Oktober Farbe bekennen, gegen eine Wiederzulassung von Glyphosat stimmen und mit vollem Einsatz für Mehrheiten gegen eine Wiederzulassung werben.“ Eigentlich sollte der Einsatz ab dem 15. Dezember verboten sein, doch im Juli bewertete die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Zulassung von Glyphosat in der EU als unkritisch.
Kritik kommt auch vom BUND: „Zehn weitere Jahre Glyphosat wären eine Katastrophe für Mensch und Artenvielfalt. Die EU-Kommission hat viele unabhängige Studien bei ihrer Bewertung einfach ignoriert. Es ist belegt, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend und neurotoxisch ist, oxidativen Stress auslösen kann und das Mikrobiom des Darms schädigt”, so Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin.


