Misstrauensantrag: Breite Mehrheit gegen Lang
Ein Misstrauensantrag beschäftigte Naturlands Landesverband in Bayern: Zwei Drittel der insgesamt 35 Stimmberechtigten sprachen sich für den Rücktritt von Thomas Lang aus. Nicht unterstützt wurde das Votum von Eberhard Räder, dem Naturland Präsidenten, und den zwei LVÖ-Vertretern des Verbandes. Sie stellen das Ergebnis auf der nächsten LVÖ-Sitzung vor – es bleibt jedoch aus Sicht von Naturland ein Meinungsbild ohne weitere Auswirkungen, zumal von den insgesamt 3.235 stimmberechtigten bayerischen Mitgliedern 3.200 nicht anwesend waren. Die Abstimmung erfolgte im Beisein von zwei Bioland- und Demeter-Landwirten am 26. Februar in Werneck. Zuvor hatten fünf Naturland Delegierte den Rücktritt von Lang gefordert – gleichsam von seinen Ämtern in der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) und im BÖLW. Lang ist aktuell erster LVÖ-Vorsitzender und vertritt im BÖLW-Vorstand die Landwirtschaft.
„Er stellt sich nicht vor die bayerischen Landwirte“, so einer der Unterzeichner gegenüber BIOwelt. Er fordert mit vier weiteren Naturland-Delegierten die Vertreter ihres Verbandes in der LVÖ auf, ihr Misstrauens-Votum baldmöglichst in der LVÖ vorzubringen. „Dass für viele Bio-Betriebe ruinöse Weidepapier und eine vollumfängliche Weidepflicht hat Thomas Lang von Anfang an begrüßt, obwohl dieses weit über die EU-Verordnung hinausgeht“, begründeten die Unterzeichner ihren Antrag. „Thomas Lang wollte und will die Konsequenzen eines allgemeinen, realitätsfernen Weidezwangs für die betroffenen Bio-Tierhalter und für die gesamte Branche jedoch weder sehen noch akzeptieren.“ Lang akzeptiere es vielmehr, dass tierhaltende Betriebe – die tun, was sie können, aber ohne Weidemöglichkeit dastehen würden – ihrer Öko-Zertifizierung beraubt würden. „Wider besseres Wissen hat er es unterlassen, sich nachdrücklich für die Interessen der betroffenen Betriebe und für die Kreislaufwirtschaft als Grundprinzip der ökologischen Landwirtschaft einzusetzen“, heißt es weiter in dem Misstrauensantrag, der BIOwelt vorliegt. Aus Sicht von Naturland stellt ein solcher Antrag lediglich ein Element der innerverbandlichen Meinungsbildung dar – ohne bindende Wirkung. „Es schmerzt auch mich zu sehen, wie wir durch die praxisferne Neuauslegung der Weideregelung derzeit Betriebe verlieren, die zum Teil schon seit Jahrzehnten gemeinsam mit uns die Ökologisierung der Landwirtschaft vorangetrieben haben“, kommentiert Naturland Präsident Eberhard Räder. Er äußerte Verständnis für die Emotionen der betroffenen Betriebe und kündigte an, bis zuletzt weiter für jede noch mögliche Flexibilisierung zu kämpfen. Mehr in BIOwelt 3/2026.


